Kopfschmerzen und Psyche
Teil 6 – der Serie
„Kopfschmerzen und Migräne“
Verpassen Sie nicht all die Beiträge zu dieser Serie: Oh, diese Psyche…. Was haben denn nun Kopfschmerzen mit der Psyche zu tun? Kopfschmerzen sind oft eine durchaus gesunde Reaktion des Körpers, der damit gegen unsinnige und kraftraubende Handlungen und Verhaltensweisen rebelliert. Zum Beispiel ist schon lange bekannt, dass Stress und Kopfschmerzen in einem engen Zusammenhang stehen. Um den „Turbo im Kopf“ abzuschalten, bedarf es aber einer oft grundlegenden Änderung der eigenen Einstellung und Verhaltensmuster. - Pünktlichkeit, Genauigkeit und Perfektionismus
Kopfschmerz-/Migränepatienten sind in der Regel sehr leistungsorientiert und fürchten sich vor Misserfolgen. Sie sind meist ehrgeizig, nicht selten perfektionistisch. Sie stellen sehr hohe Anforderungen an sich selbst und ihre Umwelt. Wenn sie glauben, den eigenen hohen Erwartungen nicht gerecht werden zu können, setzen sie sich selbst unter Druck (Kopfdruck!). Sie sind andererseits leicht irritierbar und schnell zu kränken. Ihre persönlichen Beziehungen gestalten sie eher unpersönlich. Wenn sie Probleme haben, dann machen sie das meist mit sich selbst aus, ohne Hilfe – und sei es nur moralische Unterstützung – bei anderen zu suchen („Damit muss ich selbst fertig werden. Wozu soll ich andere damit belästigen?“). Dies ist eine Schublade, in die ich jetzt einfach mal die Kopfschmerz-/Migränepatienten hineingetan habe. Solche Vereinfachungen und Kategorisierungen sind immer auch mit Fehlern behaftet. Ich glaube aber, dass viele von Kopfschmerzen geplagte Menschen sich zumindest in einigen Punkten in dieser Schublade wieder finden werden (oder deren Angehörige finden sie dort). Patienten mit Kopfschmerzen/Migräne sollten sich der möglichen Zusammenhänge zwischen ihren Einstellungen und Verhaltensweisen und den Kopfschmerzen bewusst werden. Dies ist der erste Schritt. Dann sollte versucht werden, „Fünfe gerade sein zu lassen“. Muss ich 105 %ig genau sein oder reichen manchmal nicht auch 95 %? Pünktlichkeit ist eine Tugend, aber Überpünktlichkeit kann auch manchmal nerven – die anderen Menschen, weil sie nicht so pünktlich sind, und den Kopfschmerz-/Migränepatienten, weil es ihnen – wenn auch nicht bewusst – auch auf die Nerven geht und eben die Kopfschmerzneigung erhöht. Die eigenen Einstellungen zu ändern, etwas lockerer und gelassener zu werden, ist manchmal schwerer als eine große Operation über sich ergehen zu lassen – es ist aber notwendig, wenn die Neigung zu Kopfschmerzen geringer werden soll und es lohnt sich. Rom ist nicht an einem Tage erbaut worden. Lassen Sie sich Zeit, machen Sie kleine Schritte, besprechen Sie sich mit Ihren Angehörigen, Freunden, Arbeitskollegen, ob diese Sie als übergenau, überkorrekt und überpünktlich empfinden – und welches Fortschritte diese bei Ihnen bemerken, wenn Sie Ihre Einstellungen und Ihr Verhalten ändern wollen. Gegebenenfalls kann auch professionelle Unterstützung durch Psychotherapie erforderlich sein – hier erscheinen verhaltenstherapeutische Ansätze allerdings viel versprechender als gesprächspsychotherapeutische oder gar analytische Methoden zu sein. Kopfschmerzen und Psyche: Ordnungstherapie – bringen Sie Ihre Lebensrhythmen in Ordnung
Leben ist Rhythmus – ein Leben gegen die natürlichen Rhythmen kann zu Krankheit führen Kopfschmerz-/Migränepatienten leben oftmals nicht gemäß ihren natürlichen Lebensrhythmen. Die Einnahme regelmäßiger Mahlzeiten zu den gleichen Zeiten, Zubettgehen und Aufstehen zu etwa den gleichen Zeiten und ein harmonisches Gleichgewicht zwischen Aktivität (z.B. Beruf, Sport) und Passivität (z.B. Ruhen, Entspannungsübungen) sind wichtig, um die „Lebensrhythmen“ in Ordnung zu bringen. Dies ist eine Grundvoraussetzung dafür, chronische Krankheiten wie etwa Kopfschmerzen zu behandeln oder ihnen vorzubeugen. Bei
Kopfschmerzen hat es sich als sehr sinnvoll erwiesen, ein
Kopfschmerztagebuch zu führen. Darin sollte jeden Tag notiert
werden, ob und zu welchen Zeiten Kopfschmerzen aufgetreten sind, und wie stark
diese waren (Intensität 0-10, z.B. 5 = mittelstarker Kopfschmerz, 10 = absolut
unerträglicher, nicht steigerungsfähiger Kopfschmerz). Daneben sollte noch
aufgenommen werden: Viele Menschen mit Kopfschmerzen/Migräne haben ihre eigenen Erfahrungen und Theorien zur Kopfschmerzentstehung. Viele glauben beispielsweise, dass die Kopfschmerzen streng wetterabhängig sind (was auch vorkommen kann, aber nicht so häufig wie vermutet). Durch das Führen eines Kopfschmerztagebuches können Zusammenhänge, z.B. zu Wetterlage, Genussmittelkonsum, körperlichen und seelischen Belastungen viel präziser abgelesen werden als es das Erinnerungsvermögen allein vermag. Der Arzt kann einem solchen Kopfschmerztagebuch wertvolle Hinweise entnehmen, die richtungsweisend für die weitere Behandlung sein können. Kopfschmerzen und Psyche: Entspannungstraining
Patienten mit Kopfschmerzen/Migräne sind häufig auch innerlich angespannt. Dadurch kommt es auch zu unbewussten Anspannungen der Muskulatur, nicht selten gerade der Schulter-Nacken-Muskulatur. Überprüfen Sie doch selbst einmal während der Arbeit oder in Stresssituationen, ob Sie nicht unwillkürlich den Nacken steif halten oder eine Schulter anziehen. Wir wissen heute aus der Muskelphysiologie, dass bei einer solchen statischen Haltearbeit die Durchblutung des Muskels rapide absinkt. Bei einer Anspannung, die 15 % der maximal möglichen Kraft des Muskels entspricht, beginnt die Durchblutung zu sinken. Bei 50 % der Maximalkraft ist die Durchblutung des Muskels gleich Null! Weniger Durchblutung bedeutet weniger Versorgung mit Sauerstoff und weniger Abtransport der Stoffwechselprodukte. Dies führt zu Schmerz. Schmerz erhöht reaktiv wieder die Anspannung und so befinden wir uns in einem Teufelskreis. Diesen gilt es zu durchbrechen. Jedes Entspannungsverfahren, welches Sie dabei unterstützt, ist gut. Autogenes Training, Yoga, Meditationen – all dies ist geeignet, Ihnen zu helfen, sowohl die Muskeln zu entspannen als auch die innere Anspannung zu lösen. Es gibt nicht das beste Entspannungsverfahren, sondern es gibt nur das für Sie individuell beste Entspannungsverfahren – nämlich das, mit dem Sie am besten zurechtkommen. Besonders bewährt ist die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson. Diese ist leicht zu erlernen, kann in jeder Situation problemlos angewendet werden und hilft gerade bei Beschwerden, die von schmerzhaften Muskelverspannungen ausgehen. Wenn Sie merken, dass ein Muskel gerade unbewusst angespannt wird, dann ziehen Sie gerade diesen Muskel für einige Sekunden maximal zusammen. Wir können nämlich leichter bewusst anspannen als entspannen. Ist der Muskel aber maximal angespannt, können Sie ihn leichter wieder entspannen. Bevor Sie diese einfachen Übungen anwenden, sollten Sie sie aber erst richtig erlernen, z.B. in einem Fitness-Studio, in der Volkshochschule oder auch in einer Kurklinik, die solche Verfahren anbietet. Kopfschmerzen und Psyche: Bewegungstherapie
Neben den oben erwähnten Entspannungsverfahren ist auch die richtige körperliche Bewegung in der Lage, Anspannung zu vermeiden oder zu lösen und so der Neigung zu Kopfschmerzen/Migräne entgegenzuwirken. Günstig sind hier allerdings nur die Ausdauersportarten. Körperliche Betätigungen, bei denen man – wenn auch kurzfristig – bis an die Leistungsgrenze geht, sind eher kontraproduktiv. Die (oft sehr ehrgeizigen) Kopfschmerz-/Migränepatienten neigen bei sportlichen Belastungen mit Wettkampfcharakter dazu, sich selbst zu überfordern. Dies ist ein zusätzlicher Stress, der das unwillkürliche, ohnehin meist schon gestörte vegetative Nervensystem zusätzlich aus dem Gleichgewicht bringt. Die Kopfschmerzen stellen sich dann aber meist nicht während oder kurz nach den körperlichen Belastungen ein, sondern erst Stunden oder Tage danach, so dass der Zusammenhang zwischen Kopfschmerzen und Belastungen nicht immer gleich erkannt werden kann. Oftmals wollen Menschen mit Kopfschmerzen/Migräne diesen Zusammenhang auch gar nicht erkennen, da sie sonst die für sie ungünstigen Sportarten beenden oder zumindest ihr Verhalten beim Ausüben dieser Sportarten überdenken müssten.
Alle Sportarten, die Sie in Ihrem Ausdauerbereich („Laufen, ohne zu schnaufen“) absolvieren können, sind prinzipiell günstig, alle Intervallsportarten (kurze, hohe Belastung, dann wieder Pause) sind eher ungünstig. Selbstverständlich können Sie sich auch beim Joggen ungünstig belasten, wenn Sie zu schnell laufen oder so lange laufen, dass Sie an Ihre Leistungsgrenzen geraten. Und Sie können auf der anderen Seite eine Sportart wie Tennis problemlos ausüben, wenn Sie sich den Ball locker zuspielen, ohne jeden Ball erlaufen zu müssen und ohne Punkte zu zählen (Leistungsgedanke!). Dann machen Tennis (und ähnliche Sportarten) aber auch meist keinen Spaß. Hier geht es weiter: 7. Teil
– Neue Migränemedikamente,
Link:
www.1-medikamente.de/triptane/
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